Achtung: Fallen & Fehleinschätzungen bei Facebook Veranstaltungen vermeiden

Am 17. März hatte ich die Gelegenheit bei der Frauenwoche in Potsdam zu sprechen. Es wurde extra eine Facebook-Veranstaltung dazu aufgesetzt und dort gaben auch einige an, dass Sie sich für die Veranstaltung interessieren. Die treuen Fans bei Facebook für Frauen haben es sicher auf der Seite gesehen. Am besagten Abend war aber keine einzige Person anwesend, die in der Facebook-Veranstaltung angegeben hatte, dass sie sich für den Live-Event interessiert. Vor einiger Zeit betreute ich ein Event, wo auch alle hellauf begeistert schrieben und kommentierten auf Facebook. Aber der Kartenverkauf war nicht wie erwartet.

Wenn Dir das auch schon so oder so ähnlich passiert ist, dann ist dieser Artikel für Dich. Hier erzähle ich Dir von Möglichkeiten, wie Du damit kreativ umgehen kannst, welche kleinen Fehlerchen Du vermeiden kannst und ein kleinwenig mehr aus dem Nähkästchen.

Ich war ja schon ganz ehrlich baff. Da lade ich Kontakte aus der Umgebung ein. Da lädt eine tolle Fraueninitiative ein. Da wird noch gefördert von Institutionen, damit ich überhaupt kommen kann. Und dann sitzen da eine handvoll Damen. Ehrlich gesagt hätte ich mit sicher 20 oder mehr gerechnet. Platz wäre gewesen. Aber diese Situation kenne ich und ich bin mir sicher auch andere, die Veranstaltungen organisieren. Darum schreibe ich heute auch diesen Artikel, denn ich finde, wenn Du eine Veranstaltung planst, solltest Du wissen, was auf dich in der Facebook-Welt zukommt.

 

Freundlichkeit bei Veranstaltungen ist irreführend

Erst sagen die Leute „Hach, mach das doch mal, mit der Veranstaltung. Das wird sicher toll. Da komme ich auch.“ Dann schickst Du die Einladung raus – erst per E-Mail, dann per Facebook und dann nochmal per E-Mail. Auf Nachfrage passt dann der Termin leider gerade nicht, die Tante ist kurzfristig in der Stadt oder es geht wegen der Arbeit nicht. Und dann sagt schon nur noch ein kleiner Teil „Ja, das interessiert mich“ oder gar „Ja, ich bin dabei“. Aber Du freust immer noch immens und denkt, hey, wenn die alle kommen, dann muss ich mehr Stühle besorgen. Das wird super!

Dann wird vielleicht noch Facebook Werbung geschaltet und viele Menschen klicken dann schnell mal auf „Interessiert“ oder „Bin dabei!“. Also steigert sich das Gefühl, das auch ich hatte, wirklich schnell in echte Vorfreude. Und dann ist der Tag der Veranstaltung und schlussendlich ist dann nur noch der „harte Kern“ der treuen Fans da, auf die man sich wirklich immer verlassen kann.
Es ist immer irgendwie enttäuschend, weil es als Nicht-Wertschätzung empfunden wird in diesem Moment. Einfach weil Du denkst, hey, ich hab so viel hier rein investiert und dann das? Ist mein „harter Kern“ wirklich so klein? Das kann es ja nicht sein.

Es ist also oft eine falsche Freundlichkeit, die uns glauben macht, dass etwas besser laufen könne, als es später laufen wird. Dabei wollten die Menschen, die auf „Interessiert“ oder „Bin dabei“ geklickt haben, nur ausdrücken, dass sie es toll finden, dass es die Veranstaltung gibt. Aber dafür gibt es in Facebook keine Ausdrucksmöglichkeit – trotz der Emoji-Alternativen zum “Gefällt mir” unter  Beiträgen. Und es ist hoffnungslos Menschen zu erklären, dass sie mit einem Klick auf „Bin dabei“ etwas Verbindliches auslösen. Facebook ist doch nicht verbindlich. Daher ist es der Kick erst recht nicht.

Ticketverkauf außerhalb von Facebook

Wie schon oben kurz geschildert, bin ich als Dienstleisterin immer wieder in die Vorbereitungen von Veranstaltungen involviert. Dabei geht es meist darum: Bringen Sie uns mehr Leute! Eigentlich sollte es aber heißen: Bringen Sie uns mehr Leute, die auch wirklich kommen. Daher habe ich aufgehört, an Facebook Veranstaltungen zu glauben. Aber es ist immer leichter, wenn man nicht persönlich involviert ist. Das habe ich gerade in Potsdam wieder bemerkt.

Wer sich wirklich für Deine Veranstaltung interessiert und zur Veranstaltung kommen will, der soll ein Ticket lösen und vorab bezahlen, bin ich der Meinung. In Zeiten von Online-Marketing ist das durchaus ein Konzept, das funktioniert. Auch Methoden wie verbindliche Anmeldung per Telefon und E-Mail funktionieren hier besser als die Anmeldungen über Facebook Veranstaltungen.

Ich rate meinen Kunden also einen Online-Ticketverkauf einzurichten. Und dann wenn es unbedingt sein muss, auch eine Facebook Veranstaltung anzulegen, bei der dann der Link zu diesem Online-Ticketverkauf auch beim Eintrittskarten-URL eingefügt wird.


Dabei gibt es unterschiedlichste Anbieter für Online-Ticketverkauf. Von Amiando – die heute XING-Events heißen – über Meetup, Eventbrite und erst vor kurzem habe ich von Regiondo gehört. Wenn Du noch andere Anbieter kennst, schreib sie einfach schnell in einen Kommentar hier drunter. Dann können alle davon profitieren die hier mitlesen und in der gleichen Situation sind. Alle Services machen im Prinzip das Gleiche: Tickets gegen Geld verkaufen. Facebook bietet zu Zeit noch keinen eigenen Ticketshop an.

 

Keine Bauchgefühl-Analyse sondern echte Zahlen.

Dieser externe Ticketverkauf war für einen meiner letzten Kunden ein großer Befreiungsschlag. Denn so konnten wir ohne Bauchgefühl-Analyse und mit richtigen Zahlen sagen, wie viele Menschen tatsächlich kommen werden. Und wenn jemand bezahlt hat, aber dann trotzdem nicht kommt, dann ist es auch weniger schmerzhaft, das kann ich Dir sagen.

 

Mal ohne Veranstaltung denken.

Bei vielen Veranstaltungen habe ich auch schon extra keine Facebook Veranstaltung anlegen lassen. Dann wurde eine eingängige Grafik geschaffen, die wir in vielen Varianten gepostet hatten. Etwa ein Schriftzug wurde für die Veranstaltung entworfen. Dieser wurde dann auf alle Bilder, die einen Monat lang gepostet wurden, drauf gesetzt und im Text wurde natürlich auch immer ein Link zum Ticketshop gepostet. So gab es keine freundlichen Facebook-Anmeldungen, aber immer wieder den Hinweis auf den Shop. Und dann auch unmissverständliche Ticketverkäufe.

Rabattschlachten? Bitte nicht gegen Ende!

Wenn der Tag der Veranstaltung also naht und es gibt nicht genug verkaufte Tickets, dann muss man der Wahrheit ins Auge sehen. Oft werden dann nochmal Coupons und Rabatte ausgegeben. Die funktionieren aber nur dann so richtig gut, wenn es richtig viel Ersparnis gibt. Mit 10€ lockst Du niemanden mehr von der Couch. Da müssen es dann gleich mal 30-50% sein. Und eine gute Begründung, warum andere den regulären Preis gezählt haben, brauchst Du auch.

Daher neige ich eher zur Strategie anfangs ein Kontingent an Gratiskarten zu verschenken oder zu verlosen, damit die Veranstaltung voll wird. Und dann gibt es natürlich noch Kauftickets, die aber natürlich mehr bieten müssen als die Gratis-Tickets.

 

Live-Video von der Veranstaltung.

Wenn nun der Tag des Events da ist, geht es so richtig rund in Facebook-Land. Denn auch wenn vielleicht weniger gekommen sind als erhofft, kannst Du immer noch eine Live-Dokumentation des Events machen. Die Kollegen von allfacebook.de wollten einen Live-Stream zu ihrer Konferenz anbieten. Leider hat das wegen der Internetverbindung nicht geklappt. Trotzdem finde ich die Idee sehr gut, die Eröffnung einer Veranstaltung zu zeigen.

Alle verifizierten Facebook Unternehmensseiten sollten inzwischen schon Live-Videos zeigen können, wenn man mit einem iPhone arbeitet. Bei Android wird es gerade ausgerollt. Ob es jemals auch vom PC gehen wird, ist mir nicht bekannt, aber schön wäre es. 😀 Ich werde in jedem Fall darüber schreiben!

 

Live Fotoalben hochladen.

Ich konnte gute Erfahrung mit Live-Fotoalben sammeln. Das ist einfach ein Fotoalbum, in das während einer laufenden Veranstaltung im Stundentakt einzelne Schnappschüsse und Ausschnitte der Veranstaltung hochgeladen werden. So macht man Lust auf die Veranstaltung, aber zeigt nicht alles. Dabei ist besonders wichtig, dass man auch an die Beschriftungen der Fotos denkt. Diese werden ja immer gern eingespart, sind aber doch die wichtigsten Texte. Dabei sollte immer erklärt werden, wer im Bild zu sehen ist und warum die Person im Bild tut, was sue tut.

So können dann die Teilnehmer_innen noch direkt auf der Veranstaltung ihre Meinungen dazu geben und sich freiwillig und selbst markieren. Es ist zudem guter Gesprächsstoff zwischen den Teilnehmerinnen der Veranstaltung.

 

Ehrlich sein.

Das Schlimmste nach einer Veranstaltung, die vielleicht nicht ideal lief, ist das verletzte Ego. Ich hätte so gerne geschrieben, dass in Potsdam so viele Damen waren, dass wir nicht mal noch Stühle hatten. So war es aber nicht und daher sage oder schreibe ich es nicht.  Leider sehe ich es sehr oft bei meinen Kolleginnen und Kollegen, dass sie genau das tun. Ich nenne es: Sich in die Tasche lügen. Wenn aber nur 20 Personen da waren, und angegeben wird, dass 50 waren, so ist das einfach eine Lüge.

Auf dieser Lüge wird dann später eine weitere Lüge aufgebaut. Nämlich, dass beim nächsten Mal noch mehr Menschen kommen könnten. Aber das ist häufig einfach nicht der Fall. Also mach diesen Fehler nicht. Lüge Dir nicht in die Tasche. Sei ehrlich. Nicht alles gelingt immer auf Anhieb. Auch nicht jede Facebook Veranstaltung.

Welche Erfahrungen hast du mit Facebook Veranstaltungen gemacht? Hast du auch schon Veranstaltungen erlebt, bei denen du gedacht hast, dass sie viel größer sein?

Welchen Rat hast du an Veranstalterinnen und Veranstalter auf Facebook?

Herzlichst,
Sandra

Ich bin Sandra Staub. Ex-Journalistin, Marketing-Ausbrecherin, Autorin von ‘Facebook für Frauen’ und ‘Emoji Boost‘. Unternehmerin & Macherin von UnternehmerInnen im Web. Als Agenturinhaberin versorge ich mit meinem Team Unternehmen mit Social Media-Leistungen, Blogposts & E-Mail Marketing.