Hast Du schon gehört?! Zwischen Sensationslust und Helfersyndrom auf Facebook

Auf Facebook geistert ja allerhand herum. Jeden Tag erhalten wir bei FB für Frauen mehrere Fragen, ob diese oder jede Meldung echt sei. Immerhin wirken manche Stories glaubwürdig und erschreckend. Seine Freunde zu warnen gehört zum guten Ton. Die Fragen kommen sicher auch daher, weil wir uns aktiv gegen Love Scammer engagieren. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen, zwischen Sensationslust und Helfersyndrom mit Linktipps, um nie wieder auf Hoaxes und Fakes hereinzufallen.

Ein ganz normaler Tag bei Facebook für Frauen. Wir haben – wie fast jeden Tag – eine Nachricht  mit einer Frage über den Messenger bekommen. Danke dafür!
Es ging um eine Meldung, dass man einen Kontakt nicht annehmen solle, weil dieser ein Virus wäre. Frage an uns: Stimmt das? Ist das Fake? Wie soll ich mich verhalten?
Ich ging der Sache nach, befragte Google, einschlägige Portale im deutschen und englischsprachigen Raum und konnte vermelden: Es ist ein Hoax, ein Schwindel, eine Falschmeldung, eine Zeitungsente. Nichts davon ist wahr.

Die Frage von gestern war eine andere: Ist das ein echtes Profil? Kann es sein, dass das ein Fake ist? Meine Kollegin ging dem Fall nach, recherchierte sehr lange und siehe da: Es war ein sehr gut gefälschtes Profil. Man hatte eine Frau wochenlang an der Nase herumgeführt, um ihr eine kleine Geldsumme zu entlocken. Ich überbrachte heute schließlich die Nachricht, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Love Scammer Profil ist. Ebenso auch meine Empfehlung dazu: Sich einige Tage Zeit zu nehmen, durchzuatmen und dann alle Verbindungen zu kappen.

Zutiefst menschlich. Aber immer noch falsch.

An diesen zwei Beispielen, die aus nur einer Woche stammen, lässt sich gut erkennen, wie nahe Traum und Wirklichkeit, Verarsche und Warnung beieinander liegen. Menschen haben schon immer gelogen, betrogen, andere hintergangen, verleumdet und viel Schlimmeres. Alles meist nur, um an ein kleinwenig mehr Geld zu kommen, sich Vorteile zu verschaffen oder um die Macht zu spüren, andere Menschen zu kontrollieren. Meiner Meinung nach ist es zutiefst menschlich, aber es ist immer noch falsch. Denn wir selbst möchten auch nicht die sein, die verliert.

Unsere Sensationslust ist gewachsen. Es muss schon was richtig übles passieren, damit wir überhaupt noch hinsehen. Ein Virus, der drei Kontakte aus dem Telefonbuch löscht und sich dann weiter verschickt, schockiert heute niemanden mehr. Es muss schon ein Virus sein, der alle Kontakte im Telefonbuch verdreht und dann noch unsichtbare, gefälschte Beschimpfungen an die Facebook-Profil der Freunde postet und sich dann an alle Kontakte versendet. Das ist richtig übel und rufschädigend. Da nehme ich mich nicht aus.

Geteilt und Freunde gerettet?

Viele Menschen scheinen heute auch leichter zu alarmieren zu sein. Es kann ja immer irgendwo was passieren und man kann selbst immer dran sein. Also sind wir auch bereit, im digitalen Raum, ohne großen Aufwand, mal etwas zu tun. Schnell ist eine Sensationsmeldung geklickt und geteilt. Der Stresspegel schnellt nach oben: Puh, eben noch eine Katastrophe abgewendet und die Freunde vor dem Virus gerettet. Meine Freunde wissen jetzt bescheid und werden auf diese Masche nicht mehr reinfallen, denken wir. Nach gefühlten 3 Minuten ärgern über die böse Welt verschwindet das Pochen in den Ohren, das Helfersyndrom klingt ab und wir überlegen uns wieder, ob es jetzt Salz oder Öl waren, die gestern Abend ausgegangen sind.

 

Das kannst Du gegen Verunsicherung tun

Ich weiß heute, dass es das Salz war, das ausging. Aber ich weiß nicht, warum solche Meldungen in die Welt gesetzt werden. Es bleibt mir ein Rätsel. Was ich aber weiß ist, dass viele verunsichert sind, welche Meldung jetzt überhaupt noch echt ist, welche eine Zeitungsente im Internet-Hype-Format ist und was tatsächlich echte Nachrichten mit Aha-Wert sind. Nun, da gibt es 3 einfache Mittel, die ich genauso verwende:

  1. Suchmaschine mit exaktem Text füttern
    Ja, es ist der banalste Tipp der Welt. Aber wir müssen einfach wieder mehr suchen. Wir müssen uns wieder mehr hinter die Suchmaschinen hängen und dort einfach mal den exakten Wortlaut von Meldungen hineinkopieren. Egal ob Google, Ecosia, Bing oder wolframalpha. Dann merkt man sehr schnell, ob genau dieser Text nicht schon vor Jahren für eine ähnliche oder gleiche Abzocke-Masche verwendet wurden. Auch Fotos und Liebesbriefe von Scammer kann man so überprüfen. Wie Du diesen Typen auf die Schliche kommst, kannst Du hier lesen.
  2. Hoax-Suchmaschinen nutzen
    Ich nutze gerne Hoaxsearch von Mimikama, um Kettenbriefen, Sensationsmeldungen und Co auf die Schliche zu kommen. Wer im Internet nach „Hoax Search“ oder „Hoax Suche“ sucht, der wird dort auch auf viele internationale Portale stoßen. Diese schlagen sehr schnell an, wenn wieder mal ein Foto aus anno dazumal für etwas komplett anderes verwendet wird und Dich verunsichert.
  3. Auf Quellen achten
    Eine der ersten Dinge, die ich im Redaktionshandwerk gelernt habe, ist dass man die Quelle prüfen muss. Wer ist die Quelle? Ist es jemand, der schon dafür bekannt ist, sensationsgeile Inhalte zu verbreiten? War jemand Zweites vor Ort? Gibt es mehr als ein Foto? Schreiben noch andere Quellen darüber, die sich auf andere Tippgeber berufen, ohne es nur abgeschrieben zu haben? Gibt es gleiche Tippfehler? Das ist übrigens mit ein Grund, warum ich nie wieder etwas von den Netzfrauen teilen werde.

Wenn Du mehr über das Thema Lügen und Verleumdung im Internet wissen möchtest, muss ich Dir heute ein Buch empfehlen. Es heißt „Hass im Netz“ von Ingrid Brodnig*.

 

Was kann ich jetzt noch bedenkenlos teilen?

Bevor Du so eine Meldung teilst, lies’ den Inhalt. Wenn sich Dein Bauchgefühl regt, sich alles nach Sensation oder Hilfeschrei liest, kopiere Teile der Meldung in eine Suchmaschine und eine Hoax-Maschine. Gibt es dann Hinweise auf Hoax, würde ich sie nicht mehr teilen. Alles andere, kannst Du teilen. Davon leben Netzwerke wie Facebook schließlich.

 

Ich bin sehr gespannt, wie Du zu dem Thema stehst und ich würde mich sehr freuen, wenn wir in den Kommentaren darüber diskutieren!

Herzlichst,
Sandra

 

 

* Kennzeichnet einen Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Du das Buch dort kaufst, bekomme ich einen Centbetrag gutgeschrieben. Du bezahlst weiterhin gleich viel für das Produkt, wie ohne Affiliate-Link. Davon werde ich nicht reich, aber es ist eine Anerkennung, von der ich mir einmal im Jahr ein neues Buch kaufen kann.

Foto: Gilbert Ebrahimi via unsplash.com